Diabetes Mythen – was an den Vorurteilen dran ist

Juli 15th, 2010  Tagged ,

Viele Krankheiten, die eigentlich alltäglich bzw. fast schon normal heutzutage sind, sind immer noch mit unzähligen Halbwahrheiten und Vorurteilen behaftet. Dieses Halbwissen „außenstehender“ macht den Erkrankten das Leben regelmäßig schwer.

Diesen Beitrag möchte ich dem Thema Diabetes widmen. Auch wenn das Thema „Krankheits Mythen“ eher wenig mit dem Thema gesundes Leben zu tun hat, so ist es ein wichtiger Faktor um anderen Menschen das Leben einfacher zu machen, wenn man selbst aufgeklärt ist. Und das betrifft ja nicht nur die Volkskrankheit „Zucker“, sondern auch viele andere.

Insulin Pen
Zuerst sollte ich vielleicht mal kurz erklären was das ist und wie sich die beiden Typen unterscheiden:

Typ-1-Diabetes:
Hier liegt eine Autoimmunkrankheit vor. Das Immunsystem kämpft sozusagen gegen die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie Drüse über einen Zeitraum, bis diese ganz aufhört zu arbeiten. Dieser Prozess ist nicht stoppbar, aber am Anfang einer Insulin-Therapie erholt sich die Drüse für einen kurzen Zeitraum, da sie ja nun durch das künstliche Insulin Unterstützung bekommt. Jedoch wird das Ende der Produktion nur heraus gezögert.
Typ-2-Diabetes:
Er „kommt“, wenn der Blutzuckerspiegel über eine lange Zeit zu hoch ist z.B. weil man sich falsch ernährt und dadurch dick wird. Dadurch passiert es, dass  die Körperzellen resistent gegen das Insulin geworden sind. Die Folge ist, dass die Hormonproduktion der Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreicht um den Zucker im Blut an zuarbeiten. Daraus resultiert wiederrum eine Schädigung der Adern, die Augen gehen kaputt, Herz und Nieren ebenso, wenn nichts dagegen unternommen wird.

  • Wer zu viel Zucker isst, der bekommt die Zuckerkrankheit Diabetes
    Das stimmt so nicht. Diabetes ist eine Krankheit, die von Übergewicht, Umweltfaktoren und den eigenen Genen verursacht wird. Es stimmt allerdings, dass ein Diabetiker Zucker nicht ohne die Medikamente gefahrlos zu sich nehmen kann, weil der Körper den Zucker nicht umwandeln kann. Aber der Zucker selbst ist kein Auslöser für Diabetes
  • Wer kein Insulin spritzt, der hat nur eine leichte Form
    Stimmt so auch nicht. Es gibt den Typ 1 und Typ 2 Diabetes, sowie den Schwangerschaftsdiabetes, der entweder mit Insulin oder Tabletten behandelt wird (je nach Typ). Aber die Medikamentenform ist kein Maßstab für die Schwere der Krankheit!
  • Diabetiker dürfen keinen Zucker mehr essen!
    Doch, das dürfen sie. Sie müssen es nicht (ebenso wie alle anderen Menschen auch nicht) und können auf Süßstoff umsteigen, weil er keine Kohlenhydrate enthält. Allerdings schmeckt es natürlich auch anders, wenn man den Kaffee mit Süßstoff süßt und kann auch zu Durchfall führen, wenn man zu viel davon zu sich nimmt. Ein Diabetiker kann genau dasselbe essen und trinken (ja, auch Cola)- er muss nur seine Medikamente nehmen, damit der Körper den Zucker verarbeiten kann.
  • Diabetes ist eine Reichen-Krankheit
    Diabetes ist ja eine Krankheit, bei der der Körper nicht mehr mit Kohlenhydraten umgehen kann. Damals konnten sich solche Nahrungsmittel (und auch die fettigen) nur die reicheren leisten, weswegen die Volkskrankheit als Status Symbol angesehen wurde. Diese Leute waren durch ihre Ernährung auch oftmals dicker. Aus einem meiner früheren Beiträge wisst ihr ja, dass es da einen Zusammenhang gibt. Mittlerweile werden die Menschen in den ärmeren Ländern auch dick- und deswegen steigt auch der Diabetes Faktor.
  • Nur dicke und/oder alte bekommen die Zuckerkrankheit
    Auch falsch. Das war vielleicht mal so, aber heutzutage kann jeder Mensch daran erkranken. Egal ob er klein, groß, dick, dünn, alt oder jung ist. Ebenso wie bei Krebs. Es gibt kein „Einstiegsalter“ und im Prinzip auch nichts, womit man sich dagegen schützen kann.
  • Diabetiker müssen einen strikten Ernährungsplan einhalten
    Das war früher so, da die Medizin noch nicht so weit war. Heute ist man wesentlich flexibler, da es Insulin und Tabletten gibt, die einem auch ein „modernes“ Leben gestatten. Bei älteren Patienten hingehen wird noch oft der „Essensplan“ befolgt, da diese leichter damit zurechtkommen. Diabetiker können genauso ins Fast-Food Restaurant gehen wie alle anderen auch. Durch schnell wirkendes Insulin beispielsweise ist das ohne Probleme möglich!
  • Irgendwann muss ja jeder von denen an die Dialyse!
    Stimmt nur dann, wenn derjenige seine Blutzuckerwerte über eine lange Zeit vernachlässigt. Dann nehmen die Organe Schäden und fallen im schlimmsten Fall aus. Früher, als die Medizin noch nicht so weit war, traf das wohl auch noch häufiger als heutzutage zu.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig darüber aufklären und einige Vorurteile ausmerzen. Dabei habe ich auch nicht anderen nach dem Mund geredet, sondern kann dies aus eigener Erfahrung sagen, da ich selbst Diabetes habe. “Wir” sind nicht ansteckend und müssen auch nicht mehr leben, als wäre das so. Ihr habt mit Sicherheit mehr Diabetiker in eurem Umfeld als ihr eigentlich wisst ;)




3 Responses to “Diabetes Mythen – was an den Vorurteilen dran ist”

  1.   Anne on Juli 16, 2010 04:43

    Hey, ich finde es ja lobenswert, dass du dir die Mühe machst, zwischen Typ 1 und Typ 2 zu unterscheiden. Aber warum unterscheidest du die Formen erst, wenn du sie bei den Mythen wieder über einen Kamm scherst? Das ist nicht nur fahrlässig, das ist auch falsch! Diabetes ist per se keine Krankheit die von Übergewicht beeinflusst wird.

  2.   Gerd on Juli 16, 2010 11:07

    Super, ich danke für diese kleine Aufklärung. Mal sehen, ob sich das andere zu Herzen nehmen!

  3.   sveni on Juli 21, 2010 06:07

    Hallo Anne,
    kannst du mir konkrete Beispiele nennen, dann kann ich es vielleicht besser heraus kristalisieren, was nicht so klar rüber kommt bzw. wo ich das in der Mythen-Aufklärung getan habe.

    Bei den Mythen handelt es sich eben um Klischees, die dann erklärt werden.
    Viele kennen ja die beiden Haupttypen nicht mal, deswegen ist die Erklärung an sich auch etwas allgemeiner gefasst- als Grundwissen sozusagen.

    Natürlich hast Du Recht, dass nicht nur “dicke” Diabetes (Typ 2) bekommen können. Auch ältere- zumindest war das mal so. Heute ist das ja kaum noch eine Frage des Alters. Das weiß ich natürlich auch, doch im “jüngeren” Alter begünstigt dieses Problem das natürlich um ein vielfaches.

    Vielen Dank für deine Hilfe,
    Sveni

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